RHZ 2026 Samstag

Letzter Tag, letzte Chance, die Zeit an der Teufelsmauer und somit auf dem Rockharz genießen zu können.

Ich werde einfach nicht jünger. Wir haben ein gutes Camp mit tollen Menschen, und leider muss auch diese Gemeinschaft heute Stück für Stück zu Ende gehen. Aber bevor das passierte, gab es noch 16 Bands zu genießen.

Los ging es nach einer Kanne Kaffee und etwas Rührei mit Speck um unheilige 11:20 Uhr mit Pinhead. Diese Band macht Musik, die sich zwischen Metal und Industrial bewegt.

Mein Kaffee hat noch nicht ganz seine notwendige Wirkung entfaltet, aber die Berliner/Hannoveraner Band hat sehr gut getan, die Knochen wieder auf Betriebstemperatur zu bringen.

Pinhead

Das war auch zwingend notwendig, denn im Anschluss spielte eine Band, die ich hart feiere. Und für die mussten dann auch die Gelenke wieder auf Funktion schalten. Es folgte Drone. Gott bin ich froh, dass es diese Band wieder regelmäßig auf Bühnen zu erleben gibt. Und so wie das ausschaut, war ich da bei weitem nicht der einzige, der das so sah. Für den letzten Tag und 11:55 Uhr war es sackvoll vor der Bühne. Und versammte Scheiße haben die wieder abgeräumt. Das Ende war dann doch unerwartet, auch für einige Mitarbeiter auf der Bühne. Es war schon eine Showeinlage, aber so gut geheim gehalten, dass einige Mitarbeiter das fast vereitelt hätten.

Was fragt ihr euch: »Mutz«, der Sänger der Band, ist ein temperamentvoller Musiker und wollte nicht von der Bühne und kam in Streit mit Teilen der Grabenschlampen und wurde daraufhin von der Bühne »getragen«. Das war natürlich eine abgesprochene Showeinlage, aber so gut gemacht, dass wirklich viele, inklusive einiger Mitarbeiter auf der Bühne, das fast für ernst nahmen. Geiler Auftritt, geiler Abgang.

Drone

Die Briten von TAILGUNNER hatten danach die Rockstage für sich.

Leute, wer den Sound des British Heavy Metal liebt, aber gerne was hören möchte, das frisch und neu klingt und dazu von Musikern gespielt wird, die noch am Anfang stehen, für den sind »Tailgunner« genau das, was ihr euch anschauen und anhören müsst.

Ich konnte die schon letztes Jahr auf dem »Rock in Rautheim« erleben und da haben sie mich umgehauen. Nachdem wir von »Drone« Thrash in Reinkultur erleben durften, hatten wir nun sowas von genialen good old Heavy Metal.

EIn bissel Glam, ganz viel Metal und dazu etwas Heavy, hingehen und genießen, wird garantiert eine geile Zeit.

Tailgunner

Die vierte Band des Tages spielte dann wieder auf der »Dark Stage«. Diesmal war aber von good old Heavy Metal nichts zu hören. Es ballerte mir sehr modern aufgestellter »Death Metal« entgegen. NECROTTED aus Baden-Württemberg hatten ihren Gig. Das war ein Auftritt, der so von überdrehter Energie aufwahrtete, dass ich mir dringends erstmal eine Spätmittagskombination aus Kaffee und Bier besorgen musste. Gütiger, haben die einen fetten Sound mit unbarmherzigem Druck auf das Publikum abgefeuert!

Die waren geil, aber ohne meine Spätmittagssnackkombination hätte ich die nicht geschafft.

Necrotted

Danach ging es für mich dann wieder etwas abseits zur »Rock Stage«. Dort spielte Tungsten aus Schweden. Ich konnte bis zum Beginn des Auftrittes nicht wirklich etwas dazu sagen, ob ich mit deren Powermetal warm werde oder nicht.

Dazu war ich, nachdem die Musiker auf der Bühne waren, etwas verwirrt. Bass und Gitarre wurden von zwei hochgewachsenen Herren in fast schon Gothic Schwarz gekleidet. Beide lange Haare und der eine hatte etwas Schwarz-weißes Makeup im Gesicht. Sehr spannend und auch vielversprechend.

Der Sänger ist einen Kopf kleiner und ohne Haare, dafür in senkrecht zweifarbig geteiltem Outfit. Und der Bandgründer saß in komplett Weiß am Schlagzeug. Der Bandgründer ist übrigens kein ganz Unbekannter, es ist der Ex-Drummer von Hammerfall, Anders Johansson, und die beiden Herren an den Seiteninstrumenten sind seine Söhne.

So abwechslungsreich wie die Outfits und Charaktere auf der Bühne waren, so abwechslungsreich war der Stil, den die Band an Musik spielte.

Der Auftritt hat mich mitgenommen, aber ich kann bis heute nicht sagen, was es war. Er war einfach einprägsam. Da es den Auftritt als Video bei Youtube gibt, werde ich mir den nochmal anschauen. Muss doch rauszubekommen sein.

Tungsten

Aber nun, wurde es abgefahren. Ich habe CRYPTA so wirklich bewusst noch nie erleben können. Und verdammt, ich habe etwas verpasst.

Brasilianisches Temperament und das gegossen in die Lyrik und das Musikalische von Deathmetal.

Ich bin bei Deathmetal eher schwierig, so richtig zu begeistern, aber »Crypta« haben es geschafft.

Ich hatte die ganze Zeit überlegt, ob ich die bereits schon irgendwo gesehen habe, aber egal, wie sehr ich recherchiere und nachdenke (jetzt habe ich Kopfschmerzen), mir fällt keine Gelegenheit ein. Dass sie mir trotzdem so im Gedächtnis geblieben sind, muss einfach an ihrer Livepräsenz liegen. Beim Recherchieren habe ich gesehen, dass die Band wirklich eine Liveband ist. Die sind wirklich oft auf Bühnen zu sehen und das quer durch die Welt. Geil, dass sie bei dem Pensum auf dem RHZ einen Auftritt einplanen konnten.

Nun kam eine Band, die ich fast nicht mitbekommen habe. Nach dem dritten Song von Artillery (The Official Page) gab es einen spannenden Auflauf zwischen den Bühnen beim FOH (Front of House). Dort trafen sich eine ganze Menge von Kameratragenden Menschen.

Das war der Termin zum Gruppenfoto der auf dem RHZ26 anwesenden Pressemenschen, die mit Kameras bewaffnet für euch dieses großartige Festival eingefangen und für euch festgehalten haben.

Passend zu den Menschen, die Kameras trugen, spielte im Hintergrund »Artillery«. Eine Band, die aus einem, so finde ich, recht selten vertretenen Land kommt. Die Band stammt nämlich aus Dänemark.

Mit ihrem schnörkellosen Thrashmetal waren sie ein sehr bodenständiger und toller Soundtrack für das Gruppenfoto und für die tausenden Fans vor der Bühne. Letztes Jahr wurde dieses Gruppenfoto deutlich näher an der Bühne gemacht, aber das war wegen der vielen Menschen vor der Bühne dieses Mal nicht möglich.

Die kommenden zwei Bands habe ich nur aus der Distanz angeschaut, besser gehört. Ich musste leider mal dringend etwas verschnaufen und Geld ausgeben. Also sind die folgenden Eindrücke nur Eindrücke, die mein Gehör mir zutrug.

Artillery

Von dem, was ich hörte, als ich mich langsam Richtung Markt und Sitzgelegenheit machte, war ich schon ein wenig wehmütig und stark versucht, mich doch etwas mehr zusammenzureißen. Auf der Dark Stage spielten Majestica aus Schweden. Klanglich sehr meins und auch als Untermalung, um etwas wieder sich selbst zu sammeln, absolut großartig.

Falls die, die da geblieben sind, und mehr Saft in den alten Knochen hatten als ich, werden das Gesicht an der einen Gitarre beim Mikrofon sicher wiedererkannt haben. Denn dieses Gesicht spielt so ab 2018 bis 2024 bei »Sabaton« das Saiteninstrument.

Majestica

Auf dem Rückweg und gestärkt durch Quark und Bier (ja, ich weiß, das klingt sehr widerlich, aber ich habe mir Zeit zwischen diesen beiden unterschiedlichen Nahrungsmitteln genommen), kam ich dann, angelockt von sehr geiler Post-Hardcore-Mukke, wieder an den Hauptbühnen an. annisokay aus Halle spielten, und verdammt, das war richtig geil. Ohne dass ich das nachgelesen hätte, wäre ich niemals darauf gekommen, dass das eine Band aus Sachsen-Anhalt ist. Die wenigen Moderationen, die ich von hinten hörte, gingen im Toben und Feiern der Fans unter. Also für mich, und ich war nur bei den letzten drei Songs wirklich bei der Bühne, waren das sehr, sehr großartige drei Songs.

Annisokay

Wir starteten mit Finntroll. 29 Jahre finnischer Folk-Metal. Mit ihrem druckvollen, teils finsteren Metal der zu den Füßen unserer geliebten Teufelsmauer in unsere Ohren getrieben wurde, wurde auch der Sonnenuntergang eingeleitet. Sonst wird eine Violine eher benutzt, um die Musik leichter zu machen, bei »Finntroll« ist es anders, dort ist dieses Instrument eher eine zusätzliche Stimme in deren Musik. Und jetzt beim Schreiben und Recherchieren stelle ich fest: Die haben gar keine Violine, aber dafür anscheinend einen sehr virtuosen Keyboarder. Und laut unserer Kamera, war auch nicht der Keyboarder auf der Bühne. (Frage vom Fotoonkel: Hitzschlag oder Unterhopft?)

Ich fand nichtsdestotrotz, dass ich da Instrumente gehört habe, die nicht da waren, war diese Mischung wunderbar, um in die letzte Nacht dieses Festivals zu starten.

Finntroll

Als Nächstes spielte im warmen Licht der abendlichen Sonne Danko Jones. In ihrer Heimat sind so im Schnitt rund 4 Personen pro Quadratkilometer anzutreffen. Das ist natürlich reine Statistik und in der Realität gibt es in Kanada eher große Ansammlungen an Menschen und dazwischen ist ganz viel Leere. So ähnlich muss es auf dem Campground ausgesehenhaben. An den Zelten war im Grunde bestenfalls die, die wirklich nicht mehr konnten, und alle anderen waren vor der Bühne. Meine Herren, war das voll. Und warum, mit absolutem Recht. Nach »Finntroll« war »Danko Jones« mit ihrem Rock, Blues und allem, was dazwischen ist, eine ganz andere Welt, und trotzdem haben so viele ihren Platz vor der Bühne behalten. Musik verbindet einfach.

Danko Jones

Der letzte Teil von unserem heutigen Bericht, war der Beweis, dass es schon immer, damals aber leider viel seltener, Powerfrauen im Metal gab. DORO spielte. „Doro“ – was soll man zu dieser Frau, zu dieser Band, die sie begleitet, sagen? Sie ist Power und Tradition.

So unglaubwürdig es auch klingen mag, aber das war mein erstes vollständiges Konzert von Doro Pesch, und das hätte ich wirklich früher mal machen müssen. Sie mag polarisieren, aber ganz ehrlich: Die, die das sagen und sich dem anschließen, haben diese Powerfrau einfach noch nie live erlebt. Bei mir ist die Polarisierung, bleiben wir mal in dem Terminus, bei mir ist das aber sowas von ins Positive ausgeschlagen und da bleibt es nach diesem Auftritt auch.

Doro

Weiter geht es mit Knorkator. Zum dreißigjährigen Bandjubiläum waren die Berliner in Bestform. »Die meiste Band der Welt« hatte Spaß, aber das ist ja obligatorisch, genauso wie die Aufsteller mit Worten der Songs.

Die »Ich zieh mich mal aus und pro Kleidungsstück wird eskaliert«-Einlage und dass die Kollegen aus dem Fotograben auf die Bühne mussten, waren traditionsverpflichtend. Dieses Mal mussten sie sich ein wenig »Prügel« mit Schwimmnudeln über sich ergehen lassen. Also ich würde sagen, die Fotobande hatte ihren Spaß

Knorkator

Danach wurde es härter, düsterer und deutlich nebliger. Emperor official aus Norwegen traten an, die beginnende Nacht endgültig anzulocken. Düsternis, Nebel und Flammen sind Teil der Bandgeschichte und deren Musik natürlich. Und diese zelebrierten sie, dank der Gesamtkomposition mit der Bühnenshow schon fast zu einem Theater, zu einem Gesamtkunstwerk

Emperor

Bevor es nun weiterging, gab es eine Tradition auf dem Rockharz. Eine Tradition, die es auf jedem Festival, das ich bisher besucht habe, gab. Aber auf dem »Rockharz« ist das immer ein absolutes Highlight.Dieses Mal waren bestimmt rund 50 Mitarbeiter des Festivals auf der Bühne. Das Bühnenbild war einfach wirklich groß, sodass weniger auf die Bühne passten, als letztes Jahr.Das Rockharz ist eine große Familie und dieses Gefühl wird immer wieder gezeigt. Großartige Menschen sprechen und würdigen großartige Menschen. Ohne diesen Menschen und die vielen, die nicht auf die Bühne gepasst haben, oder als gute Geister im Hintergrund weiterarbeitet haben, ist so ein Festival nicht zu stemmen. Und das stellte er heraus. Nicht ohne auch die langjährige Zusammenarbeit mit ihrem zentralen Medienpartner metal.de zu erwähnen. Weiter erwähnte und dankte er seiner Familie und den tausenden Fans. Es gab einen gigantischen Applaus für das »RHZ« und seine Crew. Die Rockharzfamilie ist einfach eine großartige Familie.

Farewell

Den Headlinerslot des Abends, wohl auch ein bissel des Festivals, hatten dann Feuerschwanz inne. Was »Emperor« an Nebel auf der Bühne hatte, hatte »Feuerschwanz« an, na was glaubt ihr, Feuer natürlich.

Feuerschwanz machen mir einfach Spaß. Sie sind live ein Garant für eine sehr, sehr kurzweilige Zeit.

Das war auf dem RHZ nicht anders. Allgemein, war das einer der fettesten Auftritte, die ich bisher von ihnen erleben durfte. Und was für ein gigantisches Bühnenbild. Leute, das war einfach mega und ihr müsst sie euch anschauen. Macht es einfach, es lohnt sich immer.

Feuerschwanz

Den Abschluss des Rockharz 2026 gaben dann nach diesen aufregenden und anstrengenden Tagen eine meiner momentanen Lieblingsbands. Soen hatten die Ehre, den letzten Slot inne zu haben.

Würde man Søen so schreiben, würde es See bedeuten, und ich bin geneigt, die Musik und diesen Auftritt so zu beschreiben. Ein Treiben über einen See, irgendwo in den ausgedehnten Flächen Norwegens oder Dänemarks. Søen ist auch ein dänisches Wort.

Dieses musikalische Erlebnis war einfach ein perfekter Abschluss für dieses Festival. Vielen Dank dafür. Das war ein grandioses Festival mit grandioser Musik.

Soen

Bilder: Fabian

Bericht: Patrick