Geschafft. Die nächste Nacht lag hinter mir und so langsam bin ich an dem Punkt, wo ich sagen muss: 46 Jahre sind ein gutes Alter, aber ein Festival geht schon in die Knochen.
Der Freitag des »Rockharz 2026« startet mit RODEO 5000. Da passte es doch ausgezeichnet, dass »Rodeo 5000« eine deutsche Trash-Country- und Bluegrass-Band sind, die einem echt Feuer unterm Arsch macht und die müden Knochen und Geister mit erbarmungsloser Guttelaune-Musik aufweckte.
Die von Jonas (Die Pressgëng) und Simon (Mr. Hurley & Die Pulveraffen) gegründete Band war der perfekte Einstieg in den Tag. Da wirkte der Kaffee gleich noch besser, auch wenn ich ein wenig verschüttet hatte.
Rodeo 5000
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Teil zwei dieses Tages waren Haggefugg. Die Kölner sind mir wohlbekannt, sodass ich zwingend ein bis zwei Gerstenkaltschalen tanken musste, bevor mich ihr Mittelalterrock ins geschmeidige Tanzen versetzte. Kommt man ja sonst nicht zu, wenn man einmal in deren Musik gefangen ist.
Ganz simpel gesagt: Wer nach »Rodeo 5000« noch nicht startklar war, nach »Haggefugg« gab es keine Ausreden mehr.
Naja, außer man kann mit Mittelalterrock wenig anfangen und der Drang nach Devotionalien war stark genug, um sich einmal über den Markt treiben zu lassen. Gab ne Menge Sachen, die ich kannte, aber auch so einige, die ich beim besten Willen noch nicht kannte.
Haggefugg
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Dritte Band waren Meister des Hardrock. MOTORJESUS sind mir nicht unbekannt, also durfte der kurze Ausflug auf den Markt nicht zu lange dauern. Die Band, die erst mit anderem Namen in Mönchengladbach ins Leben gerufen wurde, ist einfach die Erdung im Hardrock. Ohne dass man ein Fan von diesem Genre sein muss, nehmen sie einen einfach mit. So erging es mir, als ich sie das erste Mal live erleben konnte. Und wenn ich mich recht entsinne, gab es auf dem Rockharz auch so einige, denen es ähnlich ging.
Die Menschen vor der Bühne wurden auf jeden Fall im Laufe deren Gigs immer mehr, und da denke ich doch, ist meine Theorie ganz passabel. Hingegangen, von der Seite zugehört und zwei Songs später mitten drin. So muss ein Tag starten, wenn man auf einem Festival ist.
Motorjesus
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Nach MOTORJESUS startete Cypecore und die hatten mich schon auf dem vergangenen Wacken überzeugt. Bei dem Licht kam deren abgefahrene Show leider nicht so wirklich voll zur Geltung, aber dafür blieb wieder mehr Zeit, die Musik zu genießen.
Die Mannheimer Band spielt laut dem Internetz Melodic-Death-Metal. Ich attestiere eine Menge Melodie und technisches Können, aber Melodic … na ja, ich bleibe bei denen bei Deathmetal und genieße. Ja, ich kann Deathmetal genießen. Nicht jede, aber bei denen geht das.
Cypecore
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Danach spielte ein Highlight für mich und für jede Menge Musikfans. Hiraes spielten auf. Diese Band ist einfach ein Powerhouse sondergleichen. Britta ist einfach unerbittlich und die Band mit ihr sowieso. Selbst ein Bad in der Menge geht bei denen klar. Britta samt Teilen der Band standen tatsächlich in der Crowd. Fuck, war das der Knaller.
Das war Fannähe par excellence. Ich will mehr und ich lege meine Hand dafür ins Feuer: Wenn „Hiraes“ gedurft hätten, hätten die Fans die Band auch drei Stunden gefeiert.
Hiares
Im Anschluss spielte Gothminister, die norwegischen Vertreter des Industrial-Metal. Das war mal wieder ein Umsatteln des Genres, dass die Menge vor den Bühnen sich wieder wild mischen konnte und einige nach dem Hammerauftritt von »Hiraes« etwas verschnaufen konnten.
Und verschnaufen war auch für mich angesagt. Staub muss einfach mit Kaffee und Gerstensaft aus der Kehle gespült werden.
Und dank der absolut genialen Preispolitik, was die Getränke angeht, die das »RHZ« betreibt, waren die Bierpreise keinen Cent zu teuer. Und nachdem ich in einem tollen Interview, das der liebe Wahrelukas mit Dani, der Chefin des »RHZ« aufgezeichnet hatte, gehört habe, will das RHZ die Preise, wenn es sich irgendwie darstellen lässt, auf genau dem Preis von 2026 für die kommenden drei Jahre halten. Und wenn das ein Team schaffen kann, dann das Rockharzteam
Gothminister
Als ich kurz nach drei vor der Rock-Stage Position beziehe, ist von der Härte des restlichen Line-ups erstmal nichts zu spüren – und genau das macht diesen Auftritt so abgefahren.
Rauhbein eröffnen ihr Set nicht irgendwie, sondern sie feiern live mit uns die Geburtsstunde ihres brandneuen Albums »Rebellen & Helden«, das exakt an diesem 3. Juli erscheint.
Frontmann »Henry M. Rauhbein« einliebevoller Bär von einem Typen, erscheint am Bühnenrand, und sein Lächeln und seine Art, in die Menge zu schauen, lassen auf eine richtig gute Zeit schließen.
Schon nach zwei, drei Songs schunkelt das gesamte Infield, die Textzeilen werden im Chor zurückgebrüllt, und die Stimmung kippt komplett ins Familiäre.
Die Mischung aus Folk-Rock, griffigen Melodien und grundehrlichen Texten trifft genau unseren Nerv. Ein warmherziger, unprätentiöser Start mit Symbolkraft – schließlich hat die Band an diesem Tag allen Grund zu feiern, und gefeiert haben sie, und zwar mit uns
Rauhbein
Kaum ist »RAUHBEIN« von der Bühne, wechsle ich rüber zur Dark Stage, wo Walls Of Jericho – OFFICIAL PAGE gnadenlos den Gang hochschalten.
Die US-Metalcore-Pioniere touren aktuell im Vorfeld ihres ersten neuen Albums seit acht Jahren, »System Error: Humanity«, und das spürt man in jeder Sekunde ihres Sets. Frisch, neu und eine Menge Power.
Wie Sängerin »Candace Kucsulain« ihr Pensum ohne außer Atem zu kommen schafft, ist mir zwar immer noch ein Rätsel, aber das war wirklich beeindruckend.
Vor der Bühne entstehen mit die größten Moshpits des bisherigen Tages – von meinem Platz am Rand aus sah ich, wie sich ganze Blöcke synchron in Bewegung setzen, sobald die ersten Breakdowns einsetzten.
Nach dem Auftritt stand eines fest: Hier zählte die Musik, nicht die Inszenierung. Hardcore in seiner intensivsten und ehrlichsten Form, und ein klares Statement, dass diese Band nach der langen Albumpause nichts von ihrer Power verloren hat.
Und wieder ein Schwenk nach rechts. Jap, in der PDF vom Rockharz sind die beiden Bühnen vertauscht, aber das bekommt man ratzfatz in den Griff. Die Bühnen stehen nebeneinander und sind wirklich nicht zu übersehen.
Man kann mit Fug und Recht sagen, die Bühnen sind Zwillinge und wirklich enorm. Dank dieser Größe können auch kleinere und unbekanntere Bands den Luxus einer riesigen Bühne genießen.
Walls of Jericho
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Die nächsten, die diesen Luxus genießen konnten, waren Fiddler’s Green.
Die Erlanger feiern 2025/26 ihr 35-jähriges Bandjubiläum, und wir dankten es ihnen mit einer der ausgelassensten Stimmungen des gesamten Freitags. Geige, Akustikgitarre und jede Menge gute Laune zusammen ergeben bei den Fiddlers Irish Speed Folk.
Von Klassikern und neueren Songs wechselten die Erlanger sauber durch, sodass wir nur wenig Zeit zum Verschnaufen hatten. Einige hatten wirklich aus der Mischung aus Wärme, Staub, Tanzen und Mitsingen zu wählen, denn alles gleichzeitig ist einfach nicht schaffbar zu vereinen.
Also zumindest nicht für mich und einige andere. »Fiddler’s Green« beweisen einmal mehr, warum sie seit Jahren zum festen Bestandteil der europäischen Bühnen zählen. Ein Set wie ein warmes Bad zwischen zwei harten Bändern – genau richtig getimt, um den Nachmittag so richtig ausgelassen ausklingen zu lassen und sich auf den Abend und die Nacht vorzubereiten.
Fiddler´s Green
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